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Aussieben beim Fundraising

Die fetten Jahre sind vorbei. Start-up-Bewertungen, die in den Himmel wachsen, Limited Partner, die händeringend nach Investitionsmöglichkeiten suchen und fast jeden neuen Fonds zeichnen – die beinahe paradiesischen Zustände für Venture-Capital sind fürs Erste Geschichte. Glücklicherweise.

Das Niedrigzinsumfeld der letzten Jahre hat Venture-Capital für viele institutionelle Investoren zu einem der letzten Zufluchtsorte für attraktive Renditen gemacht und in den Corona-Jahren 2020 und 2021 hat diese Entwicklung einen regelrechten Boom erlebt. Sammelten im Jahr 2019 in Europa und den USA laut PitchBook 1.012 Fonds noch 94,6 Milliarden Dollar ein, schossen die Werte 2021 auf 1.575 und 183,9 Milliarden Dollar in die Höhe.

Mit der Zinswende im vergangenen Jahr ergab sich eine bemerkenswerte Veränderung: Während das kombinierte Fundraising-Volumen aus Europa und den USA mit 189,4 Milliarden Dollar einen neuen Rekordwert erreichte, ging die Zahl der gecloseden Fonds dramatisch zurück. Sie lag mit 981 leicht unter dem Vor-Corona-Wert, niedriger war dieser Wert zuletzt 2017. Das lässt zwei Rückschlüsse zu. Zum einen spielt die Assetklasse Venture-Capital nach wie vor eine wichtige Rolle in der Kapital-Allokation institutioneller Investoren. Zum anderen setzen diese inzwischen wieder stärker auf Teams mit Track-Record.

Welche Rolle dieser spielt, haben wir erst vor Kurzem selbst erfahren, als wir im März erfolgreich eine Kapitalerhöhung durchgeführt haben. Trotz Bankenbeben und den Turbulenzen im Venture-Capital- und Start-up-Sektor, die die Pleite der Silicon Valley Bank ausgelöst hatte, konnte die Heliad rund sieben Millionen Euro frisches Eigenkapital aufnehmen.

Vor dem Hintergrund der gigantischen Summe, die vergangenes Jahr weltweit eingesammelt wurde, mag dies ein überschaubarer Betrag sein. Allerdings sind mit dem neuen Bewertungsregime heute keine Milliardenbeträge mehr notwendig, um auch in späteren Phasen gute Investments eingehen zu können. Wie Daten von AngelList zeigen, betrug die durchschnittliche Series-B-Bewertung von US-Start-ups im vierten Quartal 2022 125 Millionen Dollar. Im ersten Jahresviertel lag sie mit 250 Millionen Dollar noch doppelt so hoch.

Die fetten Jahre sind zweifelsohne vorbei. Teams mit Track-Record bietet aber auch die neue Zeit spannende Möglichkeiten – gute Unternehmen gibt es nach wie vor und die Nachfrage seitens der institutionellen Investoren ebenso.

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